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Der Weg aus der Krise - verschiedene Szenarien für die Weltwirtschaft

In diesem Beitrag geht es um ein bisschen VWL und um den weiteren Pfad, den die Wirtschaft meiner Meinung nach einschlagen könnte.


Im Jänner habe ich mir bereits Gedanken gemacht, wie sich der Ausbruch des Coronavirus in China auf die Weltwirtschaft auswirkt. Schon damals war klar, dass  dies in einer globalisierten Welt kein lokales Ereignis bleiben kann. Mit den Waren- und Personenströmen verbreitete sich nun mal auch das Virus unaufhaltsam weiter.


Fast forward zum heutigen Tag. In Europa wurden massive Beschränkungen des täglichen Lebens eingeführt, die USA werden noch folgen. Nicht-essentielle Unternehmen im Konsumgüterbereich mussten ihre Geschäfte schließen, der Tourismus und damit ein enorm beschäfigungsintensiver Sektor, ist zum Erliegen gekommen. Fluglinien haben den Betrieb eingestellt.

Kurz gesagt, die Wirtschaft befindet sich auf der Intensivstation und es wird fieberhaft an Rettungspaketen und Liquiditätsspritzen gearbeitet.


"Koste es was es wolle" ist ein beliebter Satz, den man von vielen Politikern derzeit hört - und ein koordiniertes und entschlossenes Reagieren ist essentiell, um einen ökonomischen Super-GAU abzuwenden.

Ein Blick zurück auf 2008/2009


Meiner Meinung nach ist die Situation, die wir derzeit erleben, gefährlicher als die Finanzkrise 2008/2009. Damals hatten wir es mit einem Versagen in einigen wenigen Bereichen der Wirtschaft zu tun (Zusammenbruch des Hypothekenmarktes in den USA und in folge eine Liquiditätskrise der Banken), die man im Nachhinein relativ schnell beheben konnte, in dem die Notenbanken das Vertrauen in das Finanzsystem wieder hergestellt haben. Nichts desto trotz hat sich aus dieser eigentlich überschaubaren Problematik ein Kaskadeneffekt ergeben, der im weiteren zur Staatsschuldenkrise und zur Euro-Krise geführt hat. All diese Verwerfungen haben uns bis 2015/2016 begleitet und schlummern auch noch im Hintergrund.


Nichts desto trotz ging das Leben weiter. Banken konnten - wenn zu Beginn auch mit Einschränkungen - weiter Kredite geben, Güterströme waren nicht eingeschränkt.  Man konnte reisen, in Restaurants essen, etc.


Das alles gibt es derzeit nicht! Wir befinden uns in einer Situation, wo wir es nicht nur mit einem Nachfrage, sondern auch mit einem gleichzeitigen Angebotsschock zu tun haben. Solche Szenarien sind auf Länderebene extrem selten, global ist so eine Lage noch viel seltener.


Ein Exkurs in die VWL


Um die weitere Entwicklung besser einordnen zu können, möchte ich nur kurz darauf eingehen, wie unsere Wirtschaftsleistung gemessen wird und welche Faktoren dabei wichtig sind. Die Kennzahl, die hier verwendet wird ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) - kennt jeder, da erzähle ich euch nichts neues.

Man sollte sich jedoch wieder drauf besinnen, was hinter diese Kennzahl steht. Es gibt drei Berechnungsmethoden und alle führen zum gleichen Ergebnis. Genauer möchte ich auf die "Verwendungsrechnung" eingehen.


Diese besteht aus 4 Komponenten, nämlich aus den Konsumausgaben der privaten Haushalte, den Investitionen der Unternehmen, den Konsumausgaben des Staates und dem Saldo aus Exporten und Importen.

Am wichtigsten sind die ersten drei Komponenten und üblicherweise sind die Konsumausgaben der privaten Haushalte der dominierende Teil. Das kennt man aus den Medien wenn man wieder mal hört, dass "das Wachstum von der Konsumfreude der Menschen" getragen wird.


Was passiert in einer Krise


In einer Krisensituation kommt es zu einer sich selbstverstärkenden Kettenreaktion. Haushalte reduzieren ihre Ausgaben, weil Menschen Angst vor Jobverlust oder der Zukunft haben, daher investieren Unternehmen weniger. Das führt zu Arbeitslosigkeit und so weiter und so fort.


Nun haben wir einen Akteur, der dem entgegentreten kann, in dem er die Ausgabenrückgänge der Unternehmen und privaten Haushalte kompensiert: der Staat. Das ist die Grundidee des Keynesianismus, der genau das fordert. Wenn alle zurückhaltend mit dem Geldausgeben sind, dann springt der Staat ein. Stellt man sich vereinfacht gesagt eine Gleichung vor, dann sinken zwar die Werte für die Konsumausgaben der Unternehmen und der Haushalte, aber durch die Erhöhung der Staatsausgaben bleibt das Ergebnis der Gleichung gleich oder sinkt viel weniger, als wenn der Staat in einer passiven Rolle verbleibt.


Daher werden nun überall Rettungspakete gefordert - das Ergebnis der Gleichung soll nicht zu stark sinken. Einerseits ist das Ziel der Rettungspakete, Unternehmen mit Liquidität zu versorgen, andererseits soll direkt der Konsum angekurbelt werden. So viel zur Theorie, schauen wir uns die aktuelle Lage genauer an.

"V", "U", "L" - Szenarien für die wirtschaftliche Entwicklung


Nun kann man sich die Frage als Privatperson und auch als Aktieninvestor stellen: wie geht es weiter?

Es gibt derzeit ja viele Ideen, die herumschwirren und bis vor kurzem war noch die gängige Meinung, dass die Wirtschaft kurz und heftig auf Tauchstation geht, aber sich dann auch wieder sehr rasch erholt. Wenn man sich eine Kurve vorstellt, dann sieht das aus wie ein "V". Das ist für mich das best case Szenario. Dafür müssen aber einige Bedingungen erfüllt sein.


1. Die Ausbreitung des Coronavirus wird in den nächsten 2-3 Monaten eingedämmt und das Leben beginnt sich zu normalisieren. Eine Impfung ist auch rascher als gedacht verfügbar, um uns vor einem weiteren Ausbruch im Herbst/Winter zu schützen

2. Die Arbeitslosigkeit und Unternehmenspleiten steigen nur moderat an und auch die Kreditvergabe der Banken wird nicht eingeschränkt

3. Die Rettungspakte sind groß genug und auch effizient, um dem Nachfragerückgang entgegenzusteuern


So sehr ich mich auch bemühe, aber dieses Szenario sehe ich nicht. Derzeit gehe ich von einer "U"-förmigen Erholung aus, im schlimmsten Fall landen wir bei einem "L" (starker Abschwung, mit folgender Stagnation).  In den nächsten Monaten werden die Arbeitslosenzahlen massiv steigen (schränkt den privaten Konsum ein) und auch Unternehmen werden aufgrund der Unsicherheit keine großen Investitionen tätigen. Ob der Staat hier den Rückgang kompensieren kann, steht in den Sternen. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Handlungsspielraum für fiskalpolitische Maßnahmen in vielen Ländern beschränkt ist.


Im Endeffekt ist Wirtschaft Psychologie. Bei Optimismus wird investiert, und derzeit sind wir in einer sehr pessimistischen Phase und es wird länger dauern, bis wir aus diesem Tief heraus sind.


In meinem nächsten Artikel werde ich mich damit beschäftigen, wie man sich als #Aktieninvestor positionieren könnte, um diese Zeiten gut zu überstehen.

Bis dahin, bleibt gesund!

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