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Warum ich Bankaktien für keine gute langfristige Anlage halte.


Im folgenden Artikel geht es um Bankaktien im generellen und wieso ich der Meinung bin, warum sie kein gutes, langfristiges Investment sind.


Ich nenne drei Gründe, wieso die Analyse und die Einschätzung von Banken schwer ist und welche Alternativen ich für sinnvoller halte




Haben Sie die Filme "Wolf of Wall Street" oder "Wall Street" gesehen? Nachdem Sie meinen Wirtschaftblog lesen, wahrscheinlich schon. In diesen Filmen geht es zwar per se nicht um Banken, aber sie geben ein gewisses Image wider, das auch Banker - besonders den Investment Banker - in den 90er und 00er umweht hat. Es war irgendwie sexy und erstrebenswert, ein Banker zu sein. Gleichzeitig war zu diesen Zeiten das Bankgeschäft extrem profitabel. Unter dem Motto "the Sky is the Limit", erlebte die Finanzalchemie einen Boom. Alle gingen davon aus, dass durch die Liberalisierung und De-Regulierung des Bankenmarktes das Gewinnwachstum wie ein Perpetuum Mobile weiterläuft und die Aktienkurse entwickelten sich dementsprechend.


Bis die Krise 2008/2009 zuschlug - plötzlich waren Banker an allem Schuld (nicht ganz unberechtigt) und die Buhmänner der Nation. In folge der Wirtschaftskrise kamen auch die Aktienkurse unter die Räder. Mein Lieblingsbeispiel ist die Deutsche Bank. Hier sieht man, was Größenwahn und Managementfehler verursachen können. Auch der berühmte Satz "langfristiges Denken zahlt sich beim Investieren aus", ist angesichts der Kursentwicklung blanker Hohn.


Die DB steht für mich als Synonym, was in diesem Sektor alles Schief gehen kann. Aber es gibt natürlich auch Musterknaben - die kommen tendenziell aber nicht aus Europa. Aber dazu später mehr. Zuvor möchte ich noch einen Schritt zurück machen und kurz die Kernaufgaben und die Einkommensquellen einer Bank beleuchten.


Kernaufgaben einer Bank


Das Eingangs erwähnte Image des Investment Bankers hat eigentlich nichts mit den Kernaufgaben einer Bank zu tun. Die Kernaufgaben sind langweilig. Hier ist nichts sexy. Banken nehmen viele kurzfristige Spareinlagen von ihren Kunden entgegen und geben sie dann als Kredite an Unternehmen oder an Sie und mich weiter. ("Größen- und Fristentransformation"). Kredite weisen ein Ausfallsrisiko auf, da Unternehmen insolvent und Privatpersonen zum Beispiel arbeitslos werden können und dann Probleme mit der Kreditrückführung haben. Daher muss die Bank auch dieses Risiko adäquat managen, damit unsere Spareinlagen sicher sind ("Risikotransformation"). Ich würde sogar soweit gehen, dass das Risikomanagement die ureigenste Kernkompetenz einer Bank ist. Als letzten Baustein sorgen Banken dafür, dass Gelder im Wirtschaftskreislauf zirkulieren können, in dem sie den Zahlungsverkehr abwickeln.


Mehr Aufgaben hat eine klassische Bank nicht. Natürlich kommen dann in unterschiedlichen Ausprägungen dann noch zum Beispiel Bereiche wie Vermögensverwaltung/Asset Management oder Investment Banking dazu. Jede Bank setzt hier ihren eigenen Fokus. Schweizer Banken sind Paradebeispiele für Vermögensverwaltung, während US-Banken den Investment Banking-Bereich dominieren.


Wie verdient eine Bank Geld?


Auch diese Frage ist relativ leicht zu beantworten. Es gibt nur zwei Einkommenskomponenten: die erste ist der Nettozinsertrag, der vereinfacht gesagt die Differenz zwischen dem Zins ist, den die Bank für ihre Aktiva (Kredite) erhält und dem Zins, den sie für ihre Passiva (Einlagen, Kredit von anderen Banken oder Zentralbank) zahlen muss.


Die zweite Komponente ist der Provisionsüberschuss, also die Differenz aus Provisionserträgen (aus dem Wertpapiergeschäft, Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung, etc.) und den Provisionsaufwendung (das sind die Kosten, die anfallen, damit die Bank die oben genannten Leistungen anbieten kann).


Zusätzlich gibt es noch ein Handelsergebnis, das u.a. durch den Handel von Wertpapieren entsteht, die die Bank auf die eigenen Bücher nimmt. Dieser Posten ist im Normalfall der Kleinste, daher werde ich ihn nicht weiter unter die Lupe nehmen.


Außerdem sind auch die Kundengruppen einer Bank unterschiedlich ertragreich. Viele Banken setzen hier auf das Firmenkundengeschäft, da es durch größere Kreditvolumina oder zusätzliche Dienstleistungsansprüche der Unternehmen (zB Zins- und Währungshedging) profitabler ist, als das Massengeschäft mit Privatkunden. Außerdem benötigt das Privatkundengeschäft eine dazugehörige Infrastruktur aus Filialen und Mitarbeiten, was die Kosten/Ertragsrelation weiter belastet. Das Privatkundengeschäft ist durch die Digitalisierung einem massiven Veränderungsprozess unterworfen, was wir durch die Schließung vieler Filialen erkennen können. Online wird immer wichtiger, doch viele Banken sind schlecht darauf vorbereitet, oder scheuen sich vor den hohen Investitionskosten, die damit verbunden sind.


Daher boomen gerade Neobanken, die auch von der IT-Infrastruktur nicht die Altlasten der eingesessen Banken herumtragen müssen. Außerdem haben sie die Maximierung der Customer Experience in ihrer DNA - ein Feld wo traditionelle Banken erst langsam beginnen, das Thema auf die Agenda zu setzen. Ich traue mich wetten, dass jeder von Ihnen schon wenigstens ein Mal eine Erfahrung mit den Prozessen ihrer Bank gemacht haben, die Sie verzweifeln ließen.


3 Punkte, die für mich gegen ein Investment bei Banken sprechen


Insgesamt gibt es drei Punkte für mich, wieso ich mich als Anleger nicht bei Banken engagieren möchte und die sich negativ auf das Kurssteigerungspotential auswirken. Sie sind universell für alle Institute gültig, jedoch der wichtigste Punkt für einen Aktionär, nämlich die Möglichkeiten zur Erzielung von Profiten, sind besonders bei europäischen Banken limitiert, wie ich unter Punkt 3 beschreibe.


1. Regulatorik


Eines gleich vorweg: ich bin als Privatperson ein starker Befürworter der Regularien, die in den letzten Jahren verabschiedet wurden, um die Stabilität des Finanzsektors zu erhöhen. Banken sind für das Funktionieren des Wirtschaftskreislaufes unerlässlich. Ich denke, von Risk Weighted Assets (RWA) hat mittlerweile auch jeder gehört.


Als Aktionär kann man das mit gemischten Gefühlen sehen. Einerseits hat man die Hoffnung, dass Banken nun widerstandsfähiger gegen Wirtschaftskrisen sind, als das sie das noch vor einigen Jahren waren. Andererseits sind damit auch enorme Kosten verbunden, Stichwort Compliance und BASEL III. Und vor allem gegen Geldwäschebestimmungen will man als Bank nicht verstoßen, das kann richtig teuer werden. Daher gibt es hier auch ein Reputationsrisiko, das man als Aktionäre auf dem Radar haben sollte. Die Deutsche Bank dient hier wieder als mahnendes Beispiel, wie man es nicht machen sollte... Aber zum Beispiel musste 2014 auch die BNP Paribas USD 9 Mrd. Strafe zahlen , da sie gegen US Bestimmungen zur Geldwäscheprävention verstoßen hat (https://www.bbc.com/news/business-28099694).


2. Assetqualität


Als Außenstehender ist es fast unmöglich, die Qualität der wichtigsten Assets der Bank - also der Kredite - zu beurteilen. Gerne wird hier auf die NPL-Ratio ("non performing loans") verwiesen, aber die gibt nur den aktuellen Gesundheitszustand der Aktiva an.

Natürlich steigen die NPL, wenn es zu einer Wirtschaftskrise und daher zu vermehrten Kreditausfällen kommt. Aber über die Qualität geben sie per se keine Auskunft. Das Problem ist, dass man Probleme im Kreditbereich einer Bank erst bemerkt, wenn einem die Assets um die Ohren fliegen. Aktuell kann man diese Thematik schön in den Quartalsberichten der Banken sehen, wo man nun liest, dass EUR XXX Mio. für Kreditausfälle beiseite gelegt wurden.


Bankaktien sind Zykliker, aber bei einem Abschwung kommen sie besonders stark unter die Räder, da hier oft massive Wertberichtigungen der Aktiva notwendig sind. Ich bin nicht gerne in Unternehmen investiert, deren Aktiva von einem Tag auf den anderen schlagartig wertlos sein können.


3. Limitiertes Ertragspotential


Durch die aktuelle Zinslage ist das klassische Bankengeschäftsmodell unter Druck gekommen. Zwar sanken die Kosten für die Spareinlagen durch die 0-Zinspolitik der Zentralbanken, gleichzeitig sind aber auch die Margen auf der Kreditseite noch stärker gesunken. Der Nettozinsertrag ist durch den Wettbewerb nur begrenzt zu steigern - vor allem in dem Segment, das die meisten Banken gerne zu ihren Kunden zählen: bonitätsstarken Unternehmenskunden.


Einige Banken haben ihre Strategie dahin gehen angepasst, dass sie ihren Risikoappetit erhöht haben. Es ist nun auch für bonitätsschwächere Kunden einfacher geworden, an Kredite zu kommen. Das wird durch den boomenden Bereich der Konsumfinanzierungen widergespiegelt, wo noch hohe Margen erzielt werden können.

Daher machen mich die Geschäftsmodelle der meisten P2P-Plattformen sehr stutzig, da hier prinzipiell Kunden landen, die von Banken abgelehnt wurden. Das ist für mich der klassische Fall einer Adverse Selection, aber das ist ein anderes Thema.


Ein weiterer Punkt ist, dass wie bereits erwähnt immer mehr Neobanken den Retail-Banken das Geschäft mit dem Zahlungsverkehr streitig machen. Auf Kundensicht sind das Peanuts, aber hier zählen die Volumen. Und wenn die wegbrechen, kann das kaum durch andere Felder kompensiert werden.


Banken droht hier die Gefahr, dass sie zum reinen Infrastrukturanbieter verkommen, wenn sie sich nicht eine zukunftsfitte Strategie überlegen.


Europäische Banken haben einen weiteren, nicht zu unterschätzenden, Nachteil im Vergleich zu US Banken, wenn es um Profitabilität geht: die Finanzierungsbasis der Unternehmen.

Amerikanische Firmen sind am Kapitalmarkt - und das betrifft Debt Capital Marktes (DCM) und Equity Capital Markets (ECM) - viel aktiver als europäische Unternehmen, die sich vorwiegend über Bankkredite refinanzieren.

Das führt dazu, dass US-Häuser im Investment Banking dominieren, wo man durch regelmäßige Anleiheemisisonen, Anleihenhandel oder bei der Begleitung von Börsegängen sehr hohe Fees lukrieren kann. Zusätzlich wird das Kreditrisiko an die Anleihegläubiger weitergegeben.


Alternativen


Als Alternativen zu Investments in den Bankensektor bevorzuge ich Aktien aus dem Bereich Payment Services. Visa, Mastercard und PayPal sind hier meine Favoriten. Diese Titel profitieren vom Megatrend Onlineshopping, haben im Vergleich zu Banken aber ein kleineres Kreditrisiko. AmEx ist hier eine Ausnahme, daher ist dieser Titel auch nicht auf meiner Watchlist.


Wenn man jedoch ein Exposure im Finanzbereich im Depot haben möchte, dann sind wahrscheinlich JPM und Goldman Sachs einen näheren Blick wert. JPM hat mit Jamie Dimon einen visionären Unternehmenslenker, der die Bank breit aufgestellt und zukunftsfit gemacht hat. So investiert JPM rund USD 11 Mrd. in IT Infrastruktur und Open Banking (https://cloudbestpractices.net/jp-morgan-pioneering-open-banking/).Goldman Sachs ist mittlerweile mehr als nur ein IB-Powerhouse. Strategisch gehen sie mehr und mehr den Weg Richtung FinTech, was auch sehr spannend sein kann.


Zum Abschluss


Nachdem in den letzten Wochen die Kurse vieler Bankaktien gesunken sind und am Papier die Dividendenrenditen aktuell nicht so schlecht aussehen, könnten sich einige mit dem Gedanken spielen, sich ein paar Aktien ins Depot zu legen. Das sind Überlegungen, die ich nicht habe. Bei den Ölaktien hat man gesehen, wie schnell es zu Dividendenkürzungen kommt. Und außerdem würde ich in einer bevorstehenden Rezession nie, nie und nochmals nie in Banken investieren (siehe Punkt "Assetqualität")


Bilder sagen mehr als tausend Worte, daher möchte ich zum Schluss noch in einem Chart die eklatante Underperformance des europäischen Bankenmarktes (ausgedrückt durch den iShares STOXX Europe 600 Banks ETF) imVergleich zum STOXX Europe 600 und den S&P500 zeigen.

Es gibt so viele Sektoren die spannend sind und hohe Wachstumsraten aufweisen. Daher werde ich lieber dort mein Geld anlegen anstatt in einem Sektor, wo man nicht weiß, wie er die Krise überstehen wird.


In meinem nächsten Artikel wird es wieder um ein volkswirtschaftliches Thema gehen. Es würde mich freuen, wenn Sie dann wieder dabei sind. Bis dahin, vielen Dank fürs Lesen und bis bald.


Bleiben Sie gesund!

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